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Reiseführer Neapel, von den Stadtteilen bis zur Jugendstil-Architektur

Im 16. Jahrhundert hieß es, dass Neapel ein Paradies bewohnt von armen Teufeln, Lügnern, Aberglaubigen, Schmutzigen, Dieben, Schlauen und Würdelosen sei.

Centro Direzionale di Napoli
Massimo Vicinanza
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Im 16. Jahrhundert hieß es, dass Neapel ein Paradies bewohnt von armen Teufeln, Lügnern, Aberglaubigen, Schmutzigen, Dieben, Schlauen und Würdelosen sei. Dieses Bild des neapolitanischen Volkes hat zuerst Pioniere und Eroberer, dann Reisende, Wissenschaftler und Intellektuelle neugierig gemacht und angezogen.

Hartnäckig hält sich auch das Klischee von Neapel als Stadt der Gassenjungen, der Schmuggler, der Gauner und der Faulenzer. Ein im Jahr 1987 weltweit verbreiteter Reiseführer beschreibt den Besuch der Stadt so: „Belastet durch die dichteste Bevölkerung aller europäischen Städte, tiefe Armut, Arbeitslosigkeit, bürokratische Ineffizienz und organisierte Kriminalität, ist die Stadt zu einer Kreuzung zwischen Manhattan und Kalkutta im menschlichen Elend geworden…“.

Jugendstil-Architektur in Neapel

Beim Hinuntergehen zum Piazza Amedeo läuft man die Via del Parco Margherita entlang, ein Konzentrationspunkt Jugendstilgebäude, fast alle Werke des aus Piacenza stammenden Giulio Ulisse Arata, der auch die Paläste zwischen Via Crispi und Via Martucci entwarf. Im selben Viertel befinden sich viele weitere bemerkenswerte Bauwerke wie das Theater Sannazzaro in der Via Chiaja, das Palazzo Mannajuolo Nr. 36 in der Via Filangieri und das Palazzo Leonetti in der Via dei Mille.

Beim Hochsteigen über die Rampe Brancaccio erreicht man die erste Jugendstil-Realisation in Neapel, die Palazzina Velardi, entworfen 1906 von Francesco de Simone, reich an floralen und neogotischen Motiven mit einem schmalen und hohen Türmchen, das zum Vomero blickt.

Auch im Hügelgebiet gibt es viele Villen und kleine Paläste im Jugendstil. Man findet sie in der Via Tasso, rund um die Via Luca Giordano, in San Martino und in der Santarella, entlang des Abhangs, der an die Villa Floridiana grenzt, mit der Villa Loreley, die 1912 von Adolfo Avena entworfen wurde.

In Posillipo ist der Parco Carelli ein weiteres Beispiel floraler Baukunst. Das Juwel des neapolitanischen Jugendstils befindet sich in der Salita del Casale Nummer 5: Es ist die Villa Pappone, gebaut 1912 von Gregorio Botta, mit Schmiedeeisendekorationen, farbigen Glasfenstern, weißen Stuckarbeiten und Majoliken. Ein wahrer Lobgesang auf die Wiener Secession.

Spaccanapoli

Hier beginnt Spaccanapoli, der untere Decumanus, und der Platz ist eine Art Grenze zwischen der antiken Stadt und der hochmittelalterlichen sowie der vizeköniglichen Stadt. Tatsächlich ist die ganze Gegend reich an Renaissance- und Barockarchitektur, sodass das historische Zentrum seit 1995 UNESCO-Weltkulturerbe ist. Im letzten Jahrhundert durchlief diese Fülle blühende Perioden wie den eklektischen und floralen Stil, die faschistische Zwanzigerjahre und den Wohnungsbau der 40er Jahre. Ab den 50er Jahren fehlten mit der Periode unter Lauro und folgenden Immobilien-Spekulationen qualitativ hochwertige städtebauliche Eingriffe, und die neapolitanische Architektur wurde bis auf wenige Ausnahmen erstickt.

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