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Val Camonica, gastronomische Reiseroute

Eingebettet zwischen dem Trentino und Valtellina, vom Fluss Oglio von Norden nach Süden durchzogen und Heimat der alten Camunen, die dreizehntausend Jahre ihrer Geschichte in den Felsen gemeißelt haben, ist die Val Camonica nicht nur ein Paradies für Skifahrer und Wanderer, sondern auch für Feinschmecker. Hier erfahren Sie, wo und was man in der Val Camonica essen kann.

Salsicce di castrato di Breno
Maurizia Ghisoni
11 Min Read

Eingebettet zwischen Trentino und Valtellina, vom Fluss Oglio von Norden nach Süden durchzogen und Heimat der alten Camunen, die dreizehntausend Jahre ihrer Geschichte in den Felsen gemeißelt haben, ist die Val Camonica nicht nur ein Paradies für Skifahrer und Wanderer (der Stelvio-Park und jener des Adamello-Brenta, der Passo Tonale, der Presena-Gletscher sind wertvolle Naturschätze), sondern auch eine Schatztruhe für Traditionen, Kulturen und großzügige Geschmackswelten, die noch zu wenig bekannt sind.

Gastronomie in der Val Camonica

Spezialitäten wie die caicc und die Hammelsalami aus Breno, die Rosa Camuna und der Casolet aus Capo di Ponte, die Schafgeige von Berzo Demo, die geräucherte Ricotta fatulì aus Cevo, die spongada und Roggenbrot aus Malonno, der cuz aus Corteno Golgi sind nur einige der vielen köstlichen Begleiter bei einem Ausflug oder Aufenthalt im Tal, auf den Spuren faszinierender Kirchen und frühmittelalterlicher Bauwerke, Fresken und Felsgravuren, Traditionen und jahrtausendealten Geschichten.

Breno

Breno, ein altes und einladendes Städtchen im mittleren Tal, vom alten Schloss hoch überragt, verdient eine Pause nicht nur um die verführerischen Fresken des Romanino (Malmeister der brescianischen Malerei des 16. Jahrhunderts) in der kleinen Kirche S.Antonio zu bewundern oder die wilden Landschaften des Pizzo Badile und der Concarena zu erleben, sondern auch weil es einen aussagekräftigen Zugang zu dem reichen kulinarischen Erbe der Camunen bietet. Im Herzen der Altstadt befindet sich z.B. die Gastronomia Domenighini, seit über einem halben Jahrhundert in einem alten steinernen Laden untergebracht, wo man die brenesischen caicc finden kann, große Ravioli mit einer interessanten Hülle und einer üppigen Füllung aus Fleisch und Wurstwaren, die über Jahrzehnte das Festtagsgericht darstellten. Wenige Schritte durch gepflasterte Gässchen liegt die Metzgerei Pedersoli, ein Symbol für ganz besondere Wurstwaren, wie Hammelsalami mit heller Farbe und weichem Teig, hergestellt aus den magersten Teilen der im Tal gezüchteten Schafe; duftende Schweine-Salamin namens strinù und eine würzige Salami, die gekocht mit Kartoffeln, Polenta oder gekochtem Gemüse serviert wird.

Um diese und andere Spezialitäten zu genießen, kann man sich an die Tische der nahegelegenen Trattoria Taverna setzen, eines Familienbetriebs von Piera Ducoli, die ihren Gästen stets carne salada, hausgemachte casonsei (quadratische Ravioli mit Fleischfüllung); “schmutzige Suppe”, “Kutteln in Brühe”, “Rückensteak nach Breno-Art” und eine schmackhafte turta de porsel (Zubereitung aus gekochtem Schweineblut mit Brot, Käse, Milch und dann im Ofen gebacken), das Hauptgericht herzhafter Wintervesper, serviert mit den besten lokalen Weinen und Franciacorta-Schäumen.

Val Camonica, lokale Landwirtschaft

Bis vor 50 Jahren war der Weinbau in der Val Camonica ein respektabler Teil der lokalen Landwirtschaft und hatte Merlot, Sebina und Marzemino als Hauptrebsorten. Die rasante Industrialisierung in den folgenden Jahrzehnten führte zum Verfall großer Landflächen und zum Vergessen alter Kenntnisse, bis in den letzten Jahren einige beschlossen, zur Tradition zurückzukehren und die Weine der Region neu zu beleben. So kommen heute aus dem kleinen Weinkeller Rocche dei Vignali in Cerveno, wenige Kilometer von Breno in Richtung Capo di Ponte, ein eleganter Baldamì, ein vielseitiger Rotwein, dessen Name im Dialekt Marzemino bedeutet, und ein kräftiger Camunnorum, hergestellt aus getrockneten Trauben und in Eichenbarriques gereift, auf den Markt. Das Weingut wurde vor vier Jahren von Gianluigi Bontempi und einer Gruppe Freunde in Kooperative gegründet.

Capo di Ponte, Val Camonica

Hat man das Tal wieder erreicht, kann man Capo di Ponte mit seiner imposanten archäologischen Zone ansteuern, ein wahres Mekka für Generationen von Archäologen, die hier eine enorme Menge an Felsgravuren erforscht und entschlüsselt haben, die 13.000 Jahre Geschichte der alten Camunen erzählen. Auf den vom prähistorischen Gletscher geglätteten Felsen meißerten Menschen vom Paläolithikum bis zum Frühmittelalter mit unglaublichem Können eine erstaunliche Reihe von Jagd- und Alltagsszenen, Kriegs- und religiösen Darstellungen. Ein großer Teil der Graffiti, die die Einheimischen stets pitoti (Püppchen) nannten, befindet sich im Nationalpark Naquane, dem größten und wichtigsten Europäischen Park, der der Felskunst gewidmet ist.

Während im Ortsteil Cemmo die zwei berühmten Steine stehen, die Anfang des letzten Jahrhunderts die Forschung zur Camunischen Kunst initiierten: Auf einem ist die älteste bislang gefundene Darstellung eines Wagens erhalten. Die Gegend wird zusätzlich durch die kleinen romanischen Kirchen San Siro und San Salvatore bereichert, die zu den interessantesten frühmittelalterlichen Gebäuden Norditaliens zählen. In Sachen Geschmack bietet Capo di Ponte einige der berühmtesten Käsesorten des Tals, produziert von der Käserei CISSVA (mit Verkaufspunkt auch in Edolo): die Rosa Camuna, ein halbfetter süßer Frischkäse, dessen Form eine berühmte Felsgravur nachbildet; die “Casatta di Corteno Golgi”, hergestellt aus roher Kuhmilch; der Casolet, ebenfalls aus teilentrahmter Rohmilch; der harte, lange gereifte Silter und weitere.

Il Castagnolo, Kastanienbrand

In der nahegelegenen Gemeinde Paspardo, Sitz des Kastanien-Konsortiums der Valle Camonica, sollte man unbedingt anhalten, um ein in Italien einzigartiges Produkt zu probieren: den Castagnolo, einen duftenden Kastanienbrand, hergestellt mit einem speziellen Fermentationsprozess der Früchte. In Berzo Demo lohnt sich ein Stopp im Forno d’Allione, wo man die Spezialitäten der Antica Trattoria Vivione genießen kann, die leidenschaftlich von den Brüdern Claudio und Mauro Bernardi und ihren Familien geführt wird.

Besonders ist der kleine mit weißen Gewölben versehene Saal, verziert mit vom Mauro selbst geschnitzten Holzstatuen, an dessen Tischen Vorspeisenplatten mit Schafgeige, Berna (aromatisierte und getrocknete Schafstreifen, deren Ursprünge in der Vorgeschichte liegen), geräuchertem Rindfleisch mit gerösteten Nüssen serviert werden; erste Gänge wie “Maronen-Maultaschen mit Alpkäse und Kamillenblüten”, “Ricotta-Nocken mit Brennnesseln und Steinpilzen”; calsù (gefüllte große Ravioli) mit Kartoffeln, Cotechino und Käse sowie Hauptgerichte wie Wild in Salmi oder Polenta e osei.

Ein kurzer Ausflug ins nahegelegene und malerische Val Saviore führt nach Cevo, wo sich der landwirtschaftliche Betrieb von Arturo Maffeis befindet, der auf fast tausend Metern Ziegen der Rasse Bionda dell’Adamello züchtet, deren Milch eine geräucherte Ricotta namens Fatulì und eine Serie exquisiter Frischkäse mit Almduft ergibt. Zurück im Talgrund und in der nahen Gemeinde Malonno angekommen, locken die Düfte der seit über einem Jahrhundert berühmten Bäckerei Salvetti, bekannt für die knusprigen spongade (ein traditioneller Pandiolce in Brotlaibform), Roggen- (eine jahrtausendealte Tal-Kultur) und Kastanienbrote mit natürlicher Gärung, hergestellt aus steingemahlenem Mehl in einer alten lokalen Mühle, sowie schmackhafte Kastanien- und Nusskekse und Grissini.

Brennerei Alta Valle Camonica

Liköre in der Val Camonica

Am Eingang von Edolo ist ein Besuch fast Pflicht bei der Brennerei Alta Valle Camonica, geführt von der Familie Tevini, die unter vielen Spezialitäten auch einen renommierten Genepy anbietet, gewonnen durch Kaltmazeration der Pflanzen, die in über 2000 Metern Höhe gesammelt werden, und einen aromatischen Amaro Alpi, der die Wirkkräfte von 15 Bergkräutern vereint.

Edolo ist das Tor zum oberen Tal, ein typisches Dorf, wo es auch im Winter, zwischen dem lebhaften Treiben der Skifahrer, angenehm ist, am Ufer des Oglio zu spazieren oder durch die mit Waren gefüllten Schaufenster gesäumten Gässchen zu schlendern. Nur wenige Kilometer entfernt, Richtung Passo Aprica, liegt Corteno Golgi (Geburtsort von Camillo Golgi, Nobelpreisträger für Medizin 1906), Heimat des cuz, eines alten und schmackhaften Hirtengerichts, das man im Restaurant Parco unbedingt probieren sollte.

Vom Nationalpark Stelvio zum Adamello

Von Edolo schlängelt sich die Staatsstraße durch die verschneiten und atemberaubenden Landschaften des Adamello-Naturparks und passiert ruhige Orte wie Vezza d’Oglio und Temù, gemütliche und bestens ausgestattete Basen zu jeder Jahreszeit, nicht nur für den Park und das Val Grande, sondern auch zum Sommerskilauf auf dem Presena-Gletscher.

Ponte di Legno, am Fuße des Tonale, zwischen dem Nationalpark Stelvio und dem Adamello, ist der nordöstliche Endpunkt der Val Camonica und unserer Reiseroute. Die Sonne, die ihn an den meisten Tagen durchflutet, die Lebendigkeit und das Treiben in der Altstadt, besonders während der weißen Wochen oder im Sommer, laden dazu ein, auch die kulinarischen Adressen zu erkunden, wie die Salumeria Salvetti in der Corso Milano, spezialisiert nicht nur auf typische Wurstwaren und Käse wie den Bagoss, sondern auch getrocknete und in Öl eingelegte Pilze (Steinpilze, Pfifferlinge…), die interessant in Glasgefäßen mit Holzdeckel präsentiert werden.

Oder das Restaurant San Marco auf dem Piazzale Europa, wo ein quirliger Küchenchef, Marco Bessi, eine regionale Küche anbietet, die raffiniert und gekonnt neu interpretiert wird, dessen Hauptgerichte sind: “Risotto al Fatulì“, Gnocc de la cua, “Tortelli al Bagoss mit Butter-Haselnüssen”, Minestra de Scandela (eine Gemüse- und Gerstensuppe), “Maishuhnbrust mit eingelegtem Gemüse”, “Wildschmorbraten in Weiß” und “Karamellisierte Birnen mit Rotwein”.

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