San Leucio, Caserta: das Seidendorf ⋆ FullTravel.it

San Leucio, Caserta: das Seidendorf

Im Jahr 1789 ließ König Ferdinand IV. von Bourbon unweit von Caserta die “colonia – opificium – Leucianorum” zur Weberei, Behandlung und Färbung gesponnener Seide errichten. Die Textilmanufaktur wurde vom Architekten Francesco Collecini entworfen und sollte eine echte Industriestadt namens Ferdinandopoli werden.

Opificio di San Leucio, Caserta
Massimo Vicinanza
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San Leucio, Architektur

In den Zeichnungen des Architekten sind die Arbeiterhäuser von San Leucio in zwei durchgehenden und symmetrischen Blöcken angeordnet, die sich zu einem zentralen, inszenatorischen Element öffnen – der Statue des Herrschers. Alle Straßen, die sich strahlenförmig von einem großen Kreisplatz aus erstrecken, sind durch weitere kreisförmige und konzentrische Straßen verbunden. Auf dem Generalplan von San Leucio sind außerdem die Kathedrale, das Theater und ein Krankenhaus für bedürftige Künstler zu erkennen. Natürlich auch die Casina Reale.

San Leucio, das Arbeiterviertel

Der Grundstein des Arbeiterviertels von San Leucio wurde am 18. September 1798 gelegt, doch die Revolution von 1799 verhinderte die Umsetzung dieses großen und ambitionierten Stadtbauprojekts und reduzierte den ursprünglichen Plan drastisch. Dennoch blieb die Symmetrie erhalten. Die Wohnblöcke für die Arbeiter, an beiden Seiten des monumentalen Eingangsportals, das von zwei Löwen und dem bourbonischen Wappen gekrönt wird, blicken auf einen großen rechteckigen Innenhof und richten sich zur Casina Reale des Belvedere Reale, zu der eine große doppelte und symmetrische Treppe führt. Die Kirche, kleiner als geplant, wurde in das zentrale Gebäude integriert und der Kirchenvorplatz ist gegenüber dem Platz erhöht.

In der Casina Reale befanden sich neben der Wohnung des Königs auch die Unterkünfte des Pfarrers und der Lehrerin sowie die Räume für die Leitung und Verwaltung der Manufaktur. Die Keller dienten hingegen der Weinherstellung und als Lager für Öl, Obst und alle vor Ort produzierten Waren.

Nicht weit vom Arbeiterviertel entfernt, im Viertel Vaccheria, wurden die landwirtschaftlichen Tätigkeiten organisiert, während im Spinnhaus oberhalb der Casina del Belvedere Seiden und Samtstoffe produziert wurden, die zur Ausstattung der Königsschlösser und der wohlhabenden Paläste Neapels bestimmt waren.

Die Königliche Kolonie wurde durch spezielle Gesetze und Vorschriften geregelt. Hier galt ein von Ferdinand verordneter rechtlich-wirtschaftlicher Kodex, der aufgrund seiner großen Originalität ins Lateinische, Griechische, Französische und Deutsche übersetzt wurde.

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