Der Palast thront hoch über der Küstenpartie von Vasto, mehr als hundert Meter über dem Meeresspiegel, wie ein Monolith aus hell behauenem Stein. Hinter der Kathedrale und an der Grenze der beiden Stadtteile der Altstadt – dem römischen Gründungsviertel und dem im Mittelalter gewachsenen Teil – wurde der Palast vermutlich in den 1420er Jahren vom Heerführer und Herren von Vasto, Giacomo Caldora, errichtet. Vom ursprünglichen Erscheinungsbild ist nur wenig erhalten, abgesehen vom strukturellen Grundriss mit dem großen zentralen Innenhof und einigen Spuren im äußeren Mauerwerk. Besonders hervorzuheben sind die Bifora und die Reste des Durazzo-Portal, die von der Eleganz der architektonischen und dekorativen Ausstattung zeugen. Nach dem Übergang der Herrschaft an die Guevara, die vermutlich den Ausbau, vor allem zur Meerseite, abschlossen, gelangte 1496 die Domäne an die D’Avalos, die den Palast für drei Jahrhunderte nicht nur als Residenz, sondern auch als Sitz der städtischen Magistraturen nutzten. Das gravierendste Ereignis war die türkische Invasion 1566, die die Abwesenheit des Marchese Francesco Ferdinando ausnutzte, der nach seiner Ernennung zum Vizekönig von Sizilien in Palermo verweilte. Die Türken plünderten Vasto und beschädigten den Palast. Nach dem Tod ihres Mannes veranlasste dessen Ehefrau, Isabella Gonzaga, Tochter des Herzogs von Mantua, ab 1573 Sicherungs- und Wiederaufbauarbeiten, die erst zu Beginn des folgenden Jahrhunderts abgeschlossen wurden. Das goldene Zeitalter des Palastes war jedoch das 18. Jahrhundert: Die neuen Herren der Familie Lante della Rovere bereicherten die Appartements und errichteten einen kleinen, aber lebhaften Hof. Mit der französischen Invasion begann der Verfall der Residenz, im 19. Jahrhundert wurden verschiedene Räume abgerissen oder für unterschiedlichste Zwecke genutzt. Seit den 1970er Jahren beginnt eine schrittweise Restaurierung des Palazzo D’Avalos. Heute beherbergt er die Kunst- und Archäologiesammlungen der Stadt. Die Kunstgalerie befindet sich in den östlichen und südlichen Flügeln des ersten Stockwerks und zeigt Werke von Donnini, Moccioli, Michetti, Brill und Palizzi.
Die archäologische Sammlung, auf fünf Säle verteilt, umfasst Funde von der Eisenzeit bis zum Frühmittelalter, die die Entwicklung des Frentana-Gebiets und der Stadt Histonium (das antike Vasto) dokumentieren.
Im ersten Saal werden Funde vom 10. Jahrhundert bis zum 1. Jahrhundert v. Chr. präsentiert: Grabbeigaben der Nekropolen von Tratturo und Villalfonsina, Votivtonwaren aus den Heiligtümern von Villalfonsina und Punta Penna, eine Bronzefigurensammlung sowie Numismatik.
Der zweite Saal ist der Entwicklung der Stadt Histonium in der frühen Kaiserzeit (1. Jahrhundert v. Chr.) gewidmet: Ausgestellt sind Porträts der gens Iulio-Claudia, Sarkophage und Amphoren.
Der dritte Saal behandelt die Ausweitung von Histonium in der Blütezeit der Kaiserzeit (1.–2. Jahrhundert n. Chr.): Hier befinden sich Funde des Amphitheaters, der Aquädukte, Zisternen und eines mosaikgeschmückten Thermalkomplexes; zudem werden Lampen, Markenziegel und eine kunstvoll gefertigte Frauenbüste gezeigt.
Im vierten Saal sind die Grabbeigaben aus den bedeutendsten städtischen Nekropolen ausgestellt: dem Bereich Largo Barbacane, dem Rathausgebäude und dem Castello Caldora.
Im letzten Saal finden sich Zeugnisse der Spätantike und des Frühmittelalters: Inschriften, Münzen und ein Ciborium aus einer Vaster Kirche des 7. Jahrhunderts.
Informationen zum Palazzo d’Avalos – Städtische Museen
Piazza Lucio Valerio Pudente, 1
66054 Vasto (Chieti)
0873367773
info@museipalazzadavalos.it
https://www.museipalazzodavalos.it
Januar – 10. Juni Samstag, Sonntag und Feiertage 10:30 – 12:30, 16:00 – 19:00 16. Juni – 31. August täglich 10:30 – 12:30, 18:00 – 24:00 1. – 30. September täglich 10:30 – 12:30, 18:00 – 22:00 1. Oktober – 12. Dezember Samstag, Sonntag und Feiertage 10:30 – 12:30.
€ 3,00
Quelle: MIBACT

