Die Sammlung des Museo di Etnomedicina Scarpa ist nach einem diachronen Kriterium geordnet, beginnend mit den ältesten medizinischen Systemen bis hin zur Gegenwart der Volksmedizin, wobei gleichzeitig die Chronologie der Reisen von Scarpa von 1938 bis 1992 berücksichtigt wird.
Einige Vitrinen sind thematisch gestaltet und behandeln im Detail spezifische Themen, welche in manchen Fällen eigenständige Disziplinen geworden sind. Die Ausstellung von über 1500 Objekten wird häufig durch umfangreiche Beschriftungen, bibliografische Hinweise und Verweise auf durchgeführte Forschungen ergänzt, alles im Bemühen, eine lehrreiche Ausstellung zu gestalten. Wenn der unerfahrene Besucher nützliche Anhaltspunkte erhält, um sich eine Vorstellung von Ethnomedizin zu machen, findet der Kenner des Fachs zahlreiche Hinweise und Anregungen, um neue Forschungsthemen zu entwickeln und zu vertiefen.
Objekte, Instrumente, Arzneimittel, Fotografien (mit Hinweisen auf Zeit- und Ortsumstände) dokumentieren aus der Perspektive von A. Scarpa die Gesundheitsstrategien oder einzelne prophylaktische und kurative Praktiken, die von zahlreichen verschiedenen ethnischen Gruppen angewandt werden. Daraus ergibt sich ein wertvolles Zeugnis eines verschwinden wollenden medizinischen Wissens, einer Reise in das historische Universum des Menschen sub specie medicinae. Daher ist das primäre Ziel Sammlung und Archivierung.
Gleichzeitig wird die Aktualität mancher therapeutischer Lösungen hervorgehoben, wobei die Aufmerksamkeit der Spezialisten auf „Wirkstoffe“ oder einfache, aber effektive Verfahren gelenkt wird, die, so „fremd“ sie auch erscheinen mögen, Aufmerksamkeit verdienen, nicht zuletzt, weil sie sich aus jahrhundertelangen Beobachtungen und Versuchen ableiten.
Mit diesem Museum, das weltweit einzigartig ist, hat A. Scarpa eine Lücke im Wissen und in der Entwicklung der Ethnomedizin geschlossen, in der Überzeugung, ein besseres Verständnis und eine Anerkennung des Beitrags der „traditionellen Praktiken“ zum Fortschritt all jener Wissenschaften zu fördern, die sich bemühen, menschliches Leiden zu lindern.

