Es gibt Orte, die scheinbar auf den Herbst warten, um ihre schönste Seite zu zeigen. Vertraute Landschaften verwandeln sich in bunte Farbspiele, Berge leuchten in goldenen Tönen, kleine Dörfer wirken, als würde die Zeit langsamer vergehen. Wer auf der Suche nach Herbstzielen in Italien ist, kann Destinationen entdecken, die selbst Kenner des Landes überraschen werden. Von den Wäldern des Apennin über die Alpenseen, die mit Weinreben bepflanzten Hügel bis hin zu den auf Bergspitzen thronenden Orten – wir haben zehn Plätze ausgewählt, die in dieser Jahreszeit wie echte Gemälde erscheinen. Zehn Gelegenheiten, aufzubrechen, sich verzaubern zu lassen und Italien mit anderen Augen zu sehen – im Rhythmus der Natur.
Man muss nicht den Ozean überqueren, um das Schauspiel des farbigen Herbstlaubs zu erleben oder eine Postkartenlandschaft zu finden. Es genügt, den richtigen Moment zu wählen, die Hauptstraßen zu verlassen und sich Zeit fürs Beobachten zu nehmen. Im Oktober und November offenbart Italien eine beeindruckende Vielfalt an Szenarien: Buchenwälder leuchten in kupferfarbenen Tönen, Weinberge färben sich rot, Seen schmiegen sich in stille Berge und Dörfer tauchen aus dem morgendlichen Nebel auf. Das Schöne daran: Es gibt nicht nur einen Weg, diese Jahreszeit zu erleben. Man kann zu einer Wanderung in die Natur starten, ein romantisches Wochenende planen, eine Panoramastraße befahren oder einfach vor einer Landschaft verweilen – ohne Eile, das nächste Ziel zu erreichen.
1. Die Casentinesi-Wälder, wo der Herbst zur Farbpalette wird

Zwischen Toskana und Emilia-Romagna, beherbergt der Nationalpark der Casentinesi-Wälder, Monte Falterona und Campigna eines der stimmungsvollsten herbstlichen Naturschauspiele Italiens. Hier wechselt der Wald nicht nur die Farbe – er verwandelt sich in ein riesiges Gemälde, in dem die goldenen Töne der Buchen auf das Rot der Ahorne, das Orange anderer Laubbäume und das satte Grün der Tannen treffen. Wer auf den Wegen unterwegs ist, taucht in eine sich ständig wandelnde Landschaft ein. Das Licht filtert durch die Zweige, der Boden ist mit Laub bedeckt und nur der Wind oder die eigenen Schritte durchbrechen die Stille. An feuchten Tagen verstärkt leichter Nebel die Atmosphäre.
Zu den entdeckenswerten Orten zählen der Campigna-Wald, die Umgebung von Badia Prataglia und Camaldoli samt seiner im Grünen versteckten Klosteranlage. Auch das Gebiet um La Verna mit seinen ausgedehnten Buchenwäldern und moosbewachsenen Felsen verströmt einen besonderen Zauber. Hier verbinden sich Natur, Geschichte und Spiritualität des Apennin und bieten Wanderern, Fotoliebhabern oder allen, die einfach ein paar Stunden im Wald verbringen möchten, vielfältige Wege und Eindrücke.
Beste Reisezeit: in der Regel von der zweiten Oktoberhälfte bis in die ersten Novembertage, abhängig von Höhenlage und Wetterbedingungen. Nicht verpassen: eine geführte Wanderung durch den Wald, am besten in den frühen Morgenstunden, um die Farben zu bestaunen und verschiedene Baumarten kennenzulernen.
2. Der Lago di Tovel – ein herbstlicher Spiegel in den Dolomiten
Im Herzen des Val di Non im Trentino liegt der Lago di Tovel, ein Ort, der wie geschaffen scheint, um fotografiert zu werden. Das kristallklare Wasser spiegelt die Gipfel der Brenta-Dolomiten wider und entfaltet im Herbst noch spektakulärere Farbenspiele. Die Wälder rund um den See verändern ihre Farben und bieten faszinierende Kontraste zwischen dem Türkis des Wassers, den warmen Tönen der Laubbäume und dem Grau der Felswände. An windstillen Tagen sind die Spiegelungen so klar, dass es schwerfällt, Original und Spiegelbild zu unterscheiden.
Der Rundweg um den See offenbart immer wieder neue Perspektiven. Teils führt er durch den Wald, teils entlang kleiner Uferstrände und zu Aussichtspunkten. Ein Ort, der zum Entschleunigen, Verweilen und Beobachten einlädt. Der See ist zudem für ein besonderes historisches Naturphänomen bekannt: Bis in die 1960er Jahre färbte sich das Wasser unter bestimmten Bedingungen rötlich. Heute ist das kaum mehr zu beobachten, aber die Geschichte trägt weiter zur Faszination und Einzigartigkeit dieses alpinen Naturraums bei, der zu den bedeutendsten im Trentino gehört.
Beste Reisezeit: Besonders stimmungsvoll ist es im Oktober; der exakte Zeitraum hängt jedoch jeweils von den Temperaturen ab. Nicht verpassen: eine Wanderung um den See zu Zeiten, in denen das Licht besonders sanft ist – vorher sollte man sich jedoch über Zugänglichkeit, Wetter und Wegverhältnisse informieren.

3. Das Val d’Orcia – toskanische Hügel im Lichtgemälde
Es gibt Landschaften, die schon wie Kunstwerke wirken. Das Val d’Orcia in der Toskana ist eines davon. Sanfte Hügel, Zypressenreihen, einsame Bauernhöfe und Straßen, die sich in geschwungenen Linien durch die Landschaft ziehen – ein bekanntes Panorama, das zu Italiens berühmtesten Symbolen gehört. Doch im Herbst bekommt alles eine neue Aura. Nach der Ernte sehen die Felder anders aus, die Weinberge strahlen in warmen Farben und die ersten Nebel liegen über den Tälern, sodass nur noch die Silhouetten der Hügel aus dem Dunst ragen. Im Morgengrauen, wenn das Licht beginnt die Landschaft zu erhellen, erlebt man im Val d’Orcia die eindrucksvollsten Momente.
Berühmte Aussichtspunkte sind nicht zwingend nötig: Oft genügt es, langsam auf einer Nebenstraße zu fahren, um überraschende, bezaubernde Landschaftsbilder zu entdecken. Pienza, San Quirico d’Orcia, Bagno Vignoni und Castiglione d’Orcia eignen sich perfekt, um landschaftliche Eindrücke, kleine Altstädte und kulinarische Stopps abzuwechseln. In Bagno Vignoni sorgt das große Thermalbecken mitten auf dem Platz für einen besonderen Akzent. Der Herbst ist hier auch durch die Aromen der toskanischen Küche, Spaziergänge durch die Dörfer und Fahrten durch eine der bekanntesten Kulturlandschaften Italiens erlebbar.
Beste Reisezeit: Von Oktober bis November – besonders schön für Landschaftsfotografie und Aufenthalte in den Dörfern. Nicht verpassen: Eine Panoramatour zwischen Pienza, San Quirico d’Orcia und Bagno Vignoni, mit Pause für die Spezialitäten der Region.

4. Die Langhe – wenn die Weinberge zum goldenen Mosaik werden
Im Piemont, zwischen den Hügeln der Langhe, ist der Herbst nicht einfach nur eine Jahreszeit: Es ist der Moment, in dem das Gebiet seine Identität am eindrucksvollsten erzählt. Nach der Weinlese beginnen die Weinberge ihre Farben zu wechseln und malen rote, gelbe und kupferfarbene Muster auf die Hügel. Die ordentlich gereihten Weinstöcke folgen dem Profil des Geländes und lassen ein großes natürliches Mosaik entstehen. Hier und da tauchen Burgen, Kirchtürme, alte Bauernhöfe und kleine Dörfer auf den Höhenzügen auf. Barolo, La Morra, Monforte d’Alba und Serralunga d’Alba bieten unterschiedliche Ausblicke, sie eint jedoch eine ganz besondere, herbstliche Stimmung.
Von manchen Aussichtspunkten kann man, wenn sich der Nebel lichtet, einen scheinbar endlosen Horizont aus Hügeln und Weinbergen überblicken. Dies ist außerdem die perfekte Zeit, um die kulinarische Seite der Langhe zu entdecken. Weine, Haselnüsse, Käse und weiße Alba-Trüffel begleiten eine Reise, die nicht nur die Augen, sondern alle Sinne anspricht. Zwischen Weingütern, kleinen Restaurants und historischen Dörfern wird die Landschaft zur verbindenden Kulisse für ein Erlebnis, bei dem Natur, Landwirtschaft und lokale Kultur eng miteinander verwoben sind.
Beste Reisezeit: Im Oktober und zu Beginn des Novembers lassen sich die Farben der Weinberge besonders gut bewundern. Nicht verpassen: Eine Route zu den Aussichtspunkten der Langhe, gefolgt von einer Weinverkostung im Weingut – am besten mit vorheriger Reservierung.

5. Castelmezzano und Pietrapertosa, die Dörfer zwischen den Felsen der Dolomiti Lucane
Im Herzen der Basilikata, zwischen den Bergen der Dolomiti Lucane, scheinen zwei Dörfer die Gesetze der Schwerkraft herauszufordern. Castelmezzano und Pietrapertosa liegen sich auf gegenüberliegenden Berghängen gegenüber, ihre Häuser schmiegen sich an die Felsen und Sandsteintürme ragen über die Landschaft. Sie zählen zu den spektakulärsten Orten Süditaliens und überraschen zu jeder Jahreszeit. Im Herbst, wenn die umliegenden Wälder in Gelb-, Orange- und Kupfertöne getaucht werden, verstärkt der Kontrast zwischen Vegetation und Felswänden die besondere Stimmung der Landschaft noch mehr. Das Licht des Sonnenuntergangs verleiht den Bergen warme Farben, während die ersten Schatten die steinernen Gassen und Häuser umhüllen.
Castelmezzano erscheint wie ein kleines Amphitheater aus Häusern, das zwischen die Felsen eingebettet liegt. Steile Gassen, Treppen und überraschende Ausblicke auf die Berge prägen das Bild. Pietrapertosa, das sich in über tausend Metern Höhe an den Berg schmiegt, liefert einen ebenso spektakulären Ausblick; hier scheinen die Häuser mit dem Felsen zu verschmelzen. Die beiden Dörfer sind durch den berühmten „Volo dell’Angelo“ verbunden – ein Erlebnis, bei dem man, sofern der Service angeboten wird, hängend an einem Stahlseil das Tal überquert. Wer es lieber gemächlicher mag, findet in den historischen Ortskernen, an Aussichtspunkten und auf Wanderwegen zahlreiche Möglichkeiten, die Umgebung zu entdecken und die Dolomiti Lucane aus verschiedenen Blickwinkeln zu erleben.
Beste Reisezeit: Oktober und November sind ideale Monate, um die herbstliche Atmosphäre zu genießen. Wetterbedingungen sollten vor Wanderungen überprüft werden. Nicht verpassen: Beide Dörfer an einem Tag besuchen – und zum Sonnenuntergang in Pietrapertosa oder Castelmezzano verweilen, wenn die Felsen ihre Farbe wechseln und das erste Licht in den Fenstern eine besonders stimmungsvolle Kulisse schafft.

6. Der Pragser Wildsee: goldene Lärchen und stille Berge
Der Pragser Wildsee in Südtirol, zählt zu den bekanntesten Alpinlandschaften Italiens. Die von den Dolomiten eingerahmten Wasserflächen ziehen Besucher aus aller Welt an. Doch im Herbst zeigt sich dieser Ort von einer anderen Seite als an den belebten Sommertagen. Die Lärchen leuchten goldgelb, Felswände zeichnen sich vor einem oft klareren Himmel ab und der See spiegelt die Farben der umliegenden Berge. Die Atmosphäre verändert sich mit dem Licht: Am Morgen überwiegen kühle, zarte Töne, während nachmittags eine warme, helle Stimmung das Bild bestimmt.
Der Rundweg am Seeufer bietet vielfältige Perspektiven – mal schlängelt er sich durch den Wald, mal öffnet sich der Blick aufs Wasser. Es braucht keine ausgedehnte Wanderung, um die Schönheit des Pragser Wildsees zu erfassen; allerdings kann der Weg im Herbst teils feucht, rutschig oder von den ersten Frostnächten betroffen sein. Die Beliebtheit des Sees macht es ratsam, den Besuch sorgfältig zu planen – auch außerhalb der Hochsaison sollte man nicht davon ausgehen, den Ort für sich allein zu haben. Ein früher Besuch am Morgen bringt oft ein besonders schönes Licht, garantiert aber dennoch keine völlige Ruhe.
Beste Reisezeit: Vor allem zu Beginn des Oktobers, wobei sich das Laub in der Höhe früher verfärben kann. Nicht verpassen: Ein Spaziergang am frühen Morgen am Seeufer – mit vorheriger Prüfung der Wegbeschaffenheit und der Zugangsregelungen.

7. Das Villnößtal, eine Postkartenlandschaft zu Füßen der Geislergruppe
Unter den italienischen Reisezielen, die wie aus einem Gemälde erscheinen, nimmt das Villnößtal in Südtirol einen besonderen Platz ein. Wiesen, kleine Höfe, Kirchtürme und spektakulär geformte Berge verschmelzen hier zu einer Szenerie, die wie sorgfältig arrangiert wirkt, obwohl sie das Ergebnis des Zusammenspiels von Natur und menschlicher Präsenz ist. Die Zacken der Geislergruppe beherrschen die Landschaft mit ihrem markanten Profil. Im Herbst wechseln die Wiesen ihre Farbe, die Wälder leuchten bunt und die ersten Sonnenstrahlen am Morgen schaffen faszinierende Kontraste zwischen den beleuchteten Bergen und schattigen Bereichen.
Die Kirche St. Johann in Ranui ist eines der berühmtesten Fotomotive des Tals. Ihre Lage, mit den Geislern im Hintergrund, macht dieses Panorama sofort wiedererkennbar. Ebenso beeindruckend sind die Aussichten rund um St. Magdalena, wo der Kirchturm zwischen Wiesen und traditionellen Häusern hervorragt. Doch auch abseits der bekannten Fotospots lohnt sich das Villnößtal: Kleine Ortschaften, ländliche Architektur und die Südtiroler Bergtraditionen laden zum Entdecken ein. Hier wird die Reise zu einer Gelegenheit, das Zusammenspiel von Natur und Alltagsleben bewusst zu erleben.
Beste Reisezeit: zwischen Ende September und Oktober, je nach Höhenlage und Verlauf der Saison. Nicht verpassen: Das Landschaftspanorama im Sonnenuntergang bewundern – dabei ausgeschilderte Wege, Privatgrundstücke und eventuell geltende Zutrittsregeln für Aussichtspunkte respektieren.

8. Der Bosco di Sant’Antonio, ein verwunschener Winkel in den Abruzzen
Im Gebiet von Pescocostanzo in den Abruzzen, bewahrt der Bosco di Sant’Antonio eine Atmosphäre, die an märchenhafte Illustrationen erinnert. Die Bäume haben hier außergewöhnliche Formen – gezeichnet von Jahrhunderten des Wachstums und alten Waldbewirtschaftungen. Monumentale Buchen, verdrehte Stämme und ausladende Kronen prägen diese Umgebung, die sich im Herbst völlig verwandelt. Der Waldboden ist mit Blättern bedeckt, das Licht fällt durch die Zweige und zaubert warme Farbtöne, unterbrochen vom Grün der Wiesen und den umgebenden Bergen.
Der Zauber dieses Ortes liegt gerade in den kleinen Details: Die Form eines Stammes, das Rascheln des Laubs unter den Füßen, eine unvermittelte Lichtung oder Sonnenstrahlen, die durch die Bäume brechen. Ein Besuch lässt sich gut mit Pescocostanzo verbinden – einem der faszinierendsten Dörfer des Abruzzen-Appennins, bekannt für seine Altstadt, Handwerkstraditionen und die Steinarchitektur. Die Kombination aus Natur und historischem Erbe macht diese Region besonders interessant für einen herbstlichen Wochenendtrip mit Spaziergängen und Entdeckungen.
Beste Reisezeit: Im Oktober sind die Herbstfarben meist am intensivsten, wobei der genaue Zeitraum von den Wetterbedingungen abhängt. Nicht verpassen: Ein entspannter Spaziergang unter den alten Bäumen, kombiniert mit einem Bummel durch das historische Zentrum von Pescocostanzo.

9. Castelluccio di Norcia: Die stille Schönheit der Hochebene Pian Grande
Die Hochebene Pian Grande von Castelluccio im Nationalpark Monti Sibillini ist vor allem für die Blüte bekannt, die das Plateau zwischen Spätfrühling und Sommeranfang in ein Farbenmeer verwandelt. Wer die Region aber im Herbst besucht, erlebt eine völlig andere Landschaft: zurückhaltender, aber ebenso bezaubernd. Die weite Ebene am Fuß der Berge verliert die kräftigen Farben der Blüte und präsentiert sich in Ocker-, Stroh- und Brauntönen. Schatten von Wolken ziehen über den Boden, das tiefstehende Licht betont die Konturen der Berge und die Muster der Felder.
Offene Weite und das Gefühl von Freiheit prägen diesen Landstrich. Wind, Stille und die schier endlose Hochebene sind Teil des Erlebnisses. An kalten Morgenden tauchen Raureif oder Nebel das Panorama in fast unwirkliche Stimmungen. Hoch auf dem Hang gelegen überblickt Castelluccio mit außergewöhnlicher Lage die Ebene. Die Region trägt noch die Spuren der Erdbeben von 2016 – ein Grund, mit besonderer Sensibilität und Respekt für die lokale Gemeinschaft zu kommen. Regionale Angebote zu nutzen, ist zudem eine direkte Unterstützung für die lokale Wirtschaft.
Beste Reisezeit: Im Oktober und Anfang November zeigen sich herrliche Landschaften, allerdings ist das Wetter in der Höhe wechselhaft und die Straßenverhältnisse sollten stets kontrolliert werden. Nicht verpassen: Auf den erlaubten Panoramastraßen durch das Plateau fahren und an den ausgewiesenen Haltepunkten das wechselnde Lichtspiel auf den Bergen beobachten.

10. Der Ortasee – Wo der Herbst romantisch wird
Unter den italienischen Seen besticht derOrtasee im Piemontdurch seinen zurückhaltenden und feinen Charme. Er ist kleiner als die großen Voralpenseen und von Hügeln, Wäldern und kleinen historischen Orten umgeben, die im Herbst eine besonders stimmungsvolle Atmosphäre annehmen. In Orta San Giulio führen Kopfsteinpflastergassen hinunter zur Piazza Motta mit Blick auf den See. Von hier aus schweift der Blick zur Insel San Giulio, deren Gebäude sich um die Basilika scharen. An herbstlichen Tagen, wenn das Licht weich ist und die Berge sich im Wasser spiegeln, wirkt die Landschaft wie aus einer anderen Zeit.
Die umliegenden Hügel wechseln die Farbe, während der morgendliche Nebel die Insel und die Ortschaften am Ufer umwehen kann. Ein ideales Ziel für alle, die Spaziergänge, Fotomotive, kulturelle Besichtigungen und Momente der Entspannung abwechseln möchten. Beachtung verdient auch der Sacro Monte von Orta, ein Komplex von Kapellen inmitten von Bäumen, von dem sich herrliche Ausblicke auf den See eröffnen. Die kontemplative Stimmung passt besonders gut zur Jahreszeit. Der See lädt zu einem entschleunigten Aufenthalt ein, der der Entdeckung kleiner Orte und der Schönheit der Seenlandschaft gewidmet ist.
Beste Reisezeit: Oktober und November, insbesondere für alle, die ein romantisches Wochenende und das ruhige Tempo des Sees erleben möchten. Nicht verpassen: ein Spaziergang durch die Gassen von Orta San Giulio, ein Besuch des Sacro Monte und – wenn der Betrieb läuft – mit der Fähre zur Insel San Giulio übersetzen.

Wohin im Herbst in Italien? Die richtige Destination finden
Zehn Orte, zehn verschiedene Möglichkeiten, eine Jahreszeit zu erleben, die Landschaften verwandelt. Die Wahl hängt vor allem von der gewünschten Art des Erlebnisses ab: in Wälder eintauchen, Berge fotografieren, Dörfer erkunden oder ein genussvolles Wochenende in der Natur verbringen. Die Alpendestinationen zeigen sich in der ersten Herbsthälfte besonders reizvoll, während viele Hügellandschaften und das Apennin farbenprächtige und stimmungsvolle Eindrücke auch später im Jahr bieten. Die folgende Tabelle fasst die Hauptmerkmale der vorgeschlagenen Orte und die jeweils am ehesten geeigneten Reisezeiten zusammen.
| Reiseziel | Region | Ideal für | Empfohlene Reisezeit |
|---|---|---|---|
| Foreste Casentinesi | Toskana und Emilia-Romagna | Laubfärbung und Wanderungen im Wald | Mitte Oktober – Anfang November |
| Tovelsee | Trentino | Alpenlandschaften und Fotografie | Oktober |
| Val d’Orcia | Toskana | Dörfer, Hügel und romantische Wochenenden | Oktober – November |
| Langhe | Piemont | Weinberge, Kulinarik und Panoramen | Oktober – Anfang November |
| Castelmezzano | Basilikata | Bergdörfer und Gebirgslandschaften | Oktober – November |
| Pragser Wildsee | Südtirol | Alpenseen und goldene Lärchen | Anfang Oktober |
| Villnößtal | Südtirol | Fotografie und Dolomitenlandschaften | Ende September – Oktober |
| Sant’Antonio-Wald | Abruzzen | Buchenwälder und Naturwanderungen | Oktober |
| Castelluccio di Norcia | Umbrien | Weite Panoramen und Fotografie | Oktober – Anfang November |
| Ortasee | Piemont | Romantische Wochenenden und Dörfer am See | Oktober – November |
Die Zeiträume sind Richtwerte: Laubfärbung und Landschaftsbedingungen verändern sich jedes Jahr je nach Temperatur, Niederschlag und Höhenlage. Vor der Abreise empfiehlt es sich immer, Wetter, Zugänglichkeit der Wanderwege und verfügbare Dienstleistungen zu überprüfen.
Wann kann man das Herbstlaub in Italien am besten sehen?
Die beste Zeit, um das Herbstlaub in Italien zu bewundern, liegt meist zwischen Oktober und November, doch nicht alle Orte erreichen ihre farbliche Vollendung zur gleichen Zeit. In den Bergen, vor allem in den höheren Lagen, setzt die Färbung oft schon Ende September bis Anfang Oktober ein. In den Appenninenwäldern hingegen finden viele der spektakulärsten Farbveränderungen in der zweiten Oktoberhälfte statt. In tiefer gelegenen Regionen und in den Hügeln kann das herbstliche Farbenspiel auch bis in den November hinein anhalten.
Das Wetter spielt eine große Rolle: Temperaturen, Wind, Regen und Bodenfrost können die Zeit, in der das Laub seine intensivsten Farben trägt, vorverlegen oder verkürzen. Wer also gezielt eine Reise zum Thema Herbstlaub plant, sollte die aktuellen Informationen von Naturparks, lokalen Tourismusämtern und Anbietern von geführten Wanderungen einholen. Schon wenige Tage Unterschied können das Erscheinungsbild eines Waldes oder einer Berglandschaft deutlich verändern.
Wie man ein herbstliches Wochenende zwischen Natur und malerischen Dörfern plant
Eine Herbstreise muss nicht unbedingt viele Tage in Anspruch nehmen. Einige der schönsten Reiseziele lassen sich auch an einem Wochenende entdecken, wenn man sich eine praktische Ausgangsbasis sucht und sich auf wenige nahegelegene Orte konzentriert. Um das Erlebnis in vollen Zügen zu genießen, sollte der Reiseplan nicht zu voll gepackt sein: Die Schönheit des Herbstes entfaltet sich besonders dann, wenn man sich Zeit nimmt, um zu spazieren, zu beobachten und innezuhalten. Die frühen Morgenstunden und der späte Nachmittag bieten oft ein besonders reizvolles Licht für Aufnahmen von Wäldern, Seen und Hügellandschaften, während der Besuch kleiner Orte oder eine Verkostung Einblicke in Kultur und lokale Traditionen erlauben.
Wetter und Tageslänge verdienen besondere Aufmerksamkeit. In den Bergen können die Temperaturen rasch schwanken, Wege sind oft feucht und die ersten Nachtfröste machen manche Abschnitte rutschig. Geeignete Schuhe, Kleidung nach dem Zwiebelprinzip und eine wasserdichte Jacke sind daher zu empfehlen. Ebenso wichtig ist der respektvolle Umgang mit der Natur: Bleiben Sie auf den erlaubten Wegen und vermeiden Sie es, Privatgrundstücke für ein besonderes Fotomotiv zu betreten. Eine gelungene Reise hängt weniger von der Zahl der besuchten Stationen ab, sondern von der Qualität der Zeit, die an jedem Ort verbracht wird.
Das schönste Italien ist auch das, das sich mit den Jahreszeiten wandelt
Es gibt Orte, an die wir uns wegen eines Denkmals, eines Platzes oder einer berühmten Aussicht erinnern. Und dann gibt es Orte, die im Gedächtnis bleiben wegen eines Gefühls: der Geruch nasser Blätter, ein Hügel, der aus dem Nebel aufsteigt, das Licht, das eine Felswand zum Leuchten bringt, die Stille eines Sees bevor der Wind aufkommt. Vielleicht liegt gerade darin der Zauber von Herbstreisen. Die Natur bietet kein starres Schauspiel, sondern einen Anblick, der sich Tag für Tag verändert und im kommenden Jahr nie wieder ganz derselbe sein wird.
Von den Wäldern des Apennin bis zu den Dolomiten, von den Hügeln der Langhe bis zu den Dörfern in der Basilikata erzählen diese zehn Reiseziele von einem Italien, das selbst abseits der Hochsaison zu überraschen weiß. Ein Italien, das man in Ruhe betrachten, auf Nebenstraßen durchqueren und durch Menschen, Landschaften und Traditionen kennenlernen sollte, die es einzigartig machen. Und sie erinnern daran, dass man sich manchmal neu in einen Ort verlieben kann, ohne weit reisen zu müssen.Man muss einfach zur richtigen Jahreszeit zurückkehren, wenn sich das Licht verändert und die Landschaft wie ein Gemälde erscheint.

