Generell wird Katalonien oft mit Barcelona assoziiert. Ohne dieser wunderbaren Stadt etwas wegzunehmen, kann man nicht leugnen, dass die Region auch viele andere Ziele von großem künstlerischem, historischem und landschaftlichem Interesse birgt, die eine Reise wert sind.
Ungewöhnliche Reiseroute durch Katalonien
Girona: Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten
Eine Reise nach Spanien, nach Katalonien, kann in Girona beginnen, einer kleinen Stadt etwa 100 Kilometer östlich von Barcelona, die über einen Flughafen mit Billigflügen verfügt. Von hier aus kann man den Bus oder ein Taxi nehmen und das Stadtzentrum in weniger als einer halben Stunde erreichen. Girona liegt am Fluss Onyar. Zahlreiche Brücken verbinden die beiden Ufer, die berühmteste ist jedoch die Pont des les Peixeteries Velles, bekannter als die “Rote Brücke“, eine Metallkonstruktion des Gustav Eiffel.
In der Nähe der roten Brücke reihen sich am Flussufer die pastellfarbenen Cases penjades auf, ursprünglich Fischerhäuser. Fans von Game of Thrones werden erfreut sein, im historischen Zentrum von Girona einige Szenen ihrer Lieblingsserie wiederzuerkennen. Geschützt von einer mächtigen, karolingischen Stadtmauer, begehbar entlang des Passeig de la Muralla, umfasst die Altstadt das jüdische Viertel, eines der am besten erhaltenen in Europa, sowie bemerkenswerte öffentliche und private Gebäude. Das wichtigste ist die Kathedrale, die über eine eindrucksvolle Treppe zugänglich ist. Das Innere besitzt ein einziges gotisches Schiff, das mit fast 23 Metern Breite nach dem Hauptschiff von San Pietro in Rom das zweitgrößte ist. Bemerkenswert ist auch das Museum, das den wunderbaren Schöpfungsteppich aus dem 12. Jahrhundert beherbergt.
Die andere große Kirche, die das Stadtbild von Girona prägt, ist Sant Feliu, deren Fassade eine auffällige Asymmetrie aufweist, weil sie nur einen Glockenturm besitzt. Außen befindet sich eine mittelalterliche Skulptur, die eine Säule mit einer an ihr emporkletternden Löwin zeigt, die zum Symbol der Stadt wurde. Ebenfalls einen Besuch wert sind die arabischen Bäder, ein Thermalgebäude aus dem 12. Jahrhundert, das stilistisch von muslimischen Thermen inspiriert ist, sowie das Kloster Sant Pere de Galligants, eines der schönsten Beispiele katalanischer romanischer Architektur, heute Sitz des Archäologischen Museums. Schließlich kann man sich bei einem Spaziergang entlang der lebhaften Rambla entspannen. Um das Erlebnis noch schöner zu machen, kann man die Reise mit dem Temps de Flors planen, dem Blumenfestival, das in der zweiten Maiwoche stattfindet und bei dem jeder Winkel Gironas in einen Garten verwandelt wird.

Figueres: Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten
40 Kilometer von Girona entfernt liegt Figueres, die Geburtsstadt von Salvador Dalí. Das städtische Theater, das am Ende des spanischen Bürgerkriegs durch einen Brand zerstört wurde, verwandelte der Künstler in den 1960er Jahren in das größte surreale Objekt der Welt. Tatsächlich ist der Besuch des Dalí-Theatermuseums ein außergewöhnliches Erlebnis. Betritt man den Raum, befindet man sich ursprünglich im Bereich der Zuschauertribüne. In diesem offenen Bereich, der nach der Zerstörung des Theaters unbedeckt blieb, fällt sofort der Blick auf einen Cadillac, der von einer riesigen weiblichen Statue gekrönt wird, gefolgt von einer Säule, auf der ein umgedrehtes Boot liegt. Rundherum sind die Außenwände mit goldfarbenen Schaufensterpuppen, monströsen Figuren und Waschbecken übersät. Die Bühne wird nun von einer wunderschönen geodätischen Kuppel bedeckt, die nachts beleuchtet die Skyline der Stadt prägt.
In den ehemaligen Theaterlogen und Innenräumen befindet sich das eigentliche Museum, das einer Route folgt, die selbst Salvador Dalí entworfen hat und unverändert geblieben ist. Hier sind Werke zu sehen, die sein gesamtes Schaffen umfassen, aber auch Werke anderer Künstler wie El Greco und Marcel Duchamp, die ihm gehörten. Besonders beeindruckend ist die Installation des Raums Mae West, wo durch eine spezielle Linse einige Gegenstände und Gemälde ein Porträt der Schauspielerin ergeben. Oder der Palast des Windes, wo die Decke, an der Dalí einige seiner Gemälde befestigt hat, verzerrte Perspektiven schafft.
Die Muse des Künstlers war seine Frau Gala, die in zahlreichen ausgestellten Werken porträtiert ist. Ihr ist auch der Turm Galatea gewidmet, der neben dem Theatermuseum liegt und in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre bis zu Dalís Tod dessen Wohnsitz war. Die Architektur ist sehr eindrucksvoll, mit roten Wänden, die mit goldenen Broten dekoriert sind, und den riesigen Eiern auf dem Dach. In Figueres verdient auch die beeindruckende pentagonale Festung Castell de San Ferran einen Besuch, die im 18. Jahrhundert vom Militärarchitekten Vauban entworfen wurde.

Tarragona: Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten
Das antike Tarraco, die älteste römische Stadt im spanischen Festland, war die Hauptstadt der Provinz Hispania Citerior. Sie wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt, da ihr Stadtplanungskonzept von den Römern später auch in anderen Städten übernommen wurde. Insbesondere musste sich der Stadtgrundriss an die Topographie des Geländes anpassen, indem künstliche Terrassen gebaut wurden, die heute noch besonders im Bereich des Provinzfora sichtbar sind. Auch das Stadtmauersystem, das Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. entstand und im 2. Jahrhundert v. Chr. erweitert wurde, ist heute noch teilweise sichtbar und war eines der ersten Beispiele römischer Militärarchitektur in Spanien.
Tarragona weist eine durchgehende Besiedlung auf. Das bedeutet, dass die archäologischen Überreste im Stadtzentrum trotz guter Erhaltung recht fragmentarisch sind, da sie fast immer von späteren Gebäuden überbaut wurden. Deshalb empfiehlt es sich, für ein umfassenderes Bild von Tarraco das Nationalarchäologische Museum zu besuchen.
Die wichtigsten römischen Überreste im Stadtzentrum neben den Mauern sind das Provinzforum und der Circus. Außerhalb des Zentrums kann man die schönsten und besterhaltenen Monumente bewundern: das Amphitheater, das malerisch aufs Meer blickt, das Kolonieforum mit seiner Basilika und außerhalb der Stadt das bemerkenswerte 217 Meter lange Aquädukt, bekannt als Teufelsbrücke. Tarragona bewahrt auch bedeutende Zeugnisse aus dem Mittelalter, insbesondere die Kathedrale mit romanischer Fassade und gotischem Portal, sowie einem wunderschönen Kreuzgang.

Reus: Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten
Geburtsstadt von Antoni Gaudí, beherbergt das Gaudí Centre, ein multimediales Museum, in dem man interaktiv und multisensorisch die Formen und Konzepte der Werke des großen katalanischen Architekten erkunden kann. In Reus gibt es zwar keine Gebäude von Gaudí, dafür aber viele bemerkenswerte modernistische Bauwerke wie Casa Navàs und das Institut Pere Mata, beide von Lluís Domènech i Montaner, bekannt vor allem für das Hospital Sant Pau und den Palau de la Música Catalana in Barcelona.
Bis auf einen äußeren Turm, der im Spanischen Bürgerkrieg zerstört wurde, ist das Casa Navàs vollständig erhalten, einschließlich der Möbel, Glasfenster und Marmorverzierungen, die von Künstlern der Zeit unter der Leitung von Montaner gefertigt wurden. Das Institut Pere Mata ist die psychiatrische Klinik von Reus. Es ist in Pavillons aufgeteilt, ähnlich dem Hospital Sant Pau, und wird bis heute genutzt, mit Ausnahme des Pabellón de los Distinguidos, ursprünglich reserviert für Vertreter der städtischen Oberschicht und heute für Besichtigungen geöffnet.

Weitere Orte in Katalonien
Die beschriebenen Städte sind gut durch das Eisenbahnnetz verbunden. Wer ein Auto zur Verfügung hat oder die Geduld, sich mit Linienbussen und Taxis zu organisieren, sollte auch andere katalanische Orte besuchen, die einen Besuch wert sind:
- Costa Brava: So genannt wegen seiner schroffen Klippen und den abwechselnd dazwischenliegenden strahlend weißen Stränden, ist dies die Küste der Provinz Girona, die bis zur französischen Grenze reicht.
- Empúries: Das große archäologische Gebiet bei La Escala an der Costa Brava bewahrt die Reste der griechischen Kolonie Emporion sowie der späteren römischen Stadt Emporiae.
- Besalú: Bedeutendes Beispiel einer frühmittelalterlichen Stadt, die bis heute nahezu unversehrt erhalten ist. Ihr Wahrzeichen ist die Brücke über den Fluss Fluvià.
- Santa Maria de Poblet: Zisterzienserkloster aus dem 12. Jahrhundert, UNESCO-Weltkulturerbe wegen seines architektonischen Werts und seiner Funktion als königliches Pantheon der Könige von Aragón.
- Kloster Montserrat: Ursprünglich eine mittelalterliche Einsiedelei auf einem felsigen Kap, ist es ein Wallfahrtsort der gleichnamigen Madonna (die Moreneta), dargestellt durch eine Statue aus dem 12. Jahrhundert.


