Die Nekropole, bereits im 19. Jahrhundert bekannt, wurde in den ersten drei Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts von Guido Calza ausgegraben. Der Kern des freigelegten Komplexes erstreckt sich an der Kreuzung zwischen der Via Laurentina und einer Straße, die in Ost-West-Richtung verläuft. Die Nekropole, die in ihrer ersten Phase in die republikanische Zeit zurückreicht, wurde bis zum dritten Jahrhundert n. Chr. genutzt. Ständige Wasserinfiltrationen aus dem Untergrund machten eine Anhebung des Friedhofsniveaus erforderlich, so dass die jüngeren Gräber oft auf den älteren aufbauten und häufig deren Fundamente nutzten.
Die Bauart der Anlagen passt sich den Bedürfnissen der Kultpraxis an und spiegelt die Veränderungen der Bestattungsbräuche wider. Der Verbrennungsritus, der zwischen dem Ende der Republik und der claudiuszeit vorherrschend war, wurde allmählich durch die Beisetzungsriten mit sichtbaren Variationen in der Nutzung der Innenräume der Nischen ersetzt. Besonders vielfältig sind die Zeugnisse der Feuerbestattung mit Denkmälern aus quadratischen Werksteinen, offenen Umzäunungen, Kammergräbern, die innen mit Nischen ausgestattet sind, um in Terrakotta-Gefäßen die Asche des Verstorbenen aufzunehmen, welcher an Ort und Stelle in speziellen, abgerundeten Einfriedungen (Ustrina) verbrannt werden konnte. Die Höfe beherbergten oft Wasserbrunnen, Kochplätze und Tresen für Zeremonien und rituelle Bankette. Wie auch in anderen Nekropolen führte das allmähliche Überwiegen des Beisetzungsritus über den Verbrennungsritus zu einer weniger aufwendigen und strengeren Architektur, mit der Ausrichtung der späteren Gräber, die in der Regel auf höher gelegenen Ebenen liegen, auf Arkosole, die den Verstorbenen aufnehmen sollten, der manchmal in Marmorsarkophagen oder aus weniger edlen Materialien wie Terrakotta beigesetzt wurde.
Die Nekropole bewahrt zahlreiche Inschriften Verstorbener, überwiegend wohlhabender Freigelassener, eine Klasse, die ab der frühen Kaiserzeit immer mehr wirtschaftliche Macht erlangte, hier bezeugt durch die Kostbarkeit einiger Gräber. Viele Gemälde schmückten die Gräber, von denen einige in die vatikanischen Sammlungen und das Archäologische Museum von Ostia gelangten. Wenige bleiben vor Ort als Zeugnis jener Verbindung von Architektur und Dekoration erhalten, die es erlaubt, die Einheitlichkeit des von den Auftraggebern gewollten Projekts zu bewerten und Einblick in Bräuche und Glaubensvorstellungen zu erhalten.
Informationen zur Nekropole der Via Laurentina
Viale Dei Romagnoli, 717,
00124 Rom (Rom)
0656358099
ssba-rm@beniculturali.it
https://archeoroma.beniculturali.it/siti-archeologici/ostia/necropoli-via-laurentina
Quelle: MIBACT

