Auf der Wasserscheide des Apennin in der Ortschaft Sant’ Eleuterio von Ariano Irpino sind die Überreste des antiken Zentrums von Aequum Tuticum zu besichtigen. Es handelte sich um einen Verkehrsknotenpunkt, von dem zahlreiche Straßen ausgingen, die das Samnium mit Kampanien von Nord nach Süd sowie die tyrrhenische mit der adriatischen Seite von Ost nach West verbanden. In republikanischer Zeit verband eine Via Aemilia Aequum Tuticum mit Fioccaglia di Flumeri und Aeclanum. Im Jahr 109 n. Chr. wurde das Zentrum von der Via Traiana durchquert und später von der Via Herculia. Obwohl der Ortsname Aequum Tuticum auf eine samnitische Siedlung hinweist, bezieht sich die älteste durch Ausgrabungen belegte Phase auf die Kaiserzeit. Das bedeutendste Relikt ist ein Badegebäude aus dem 1. Jahrhundert n. Chr., dessen zentraler Raum mit einem Mosaikboden aus weißen und schwarzen Steinen mit Peltemuster dekoriert war. Auf die zweite Hälfte des 2. Jahrhunderts n. Chr. werden mehrere aneinandergereihte Räume datiert, die vermutlich als Horrea (Lagerhäuser) oder Tabernae (Geschäfte) dienten. Im dahinterliegenden Bereich kam ein großer, rechteckiger Raum zutage, der wahrscheinlich zu einer Villa gehörte und einen wertvollen mehrfarbigen Mosaikboden mit aufwendigem ornamentalem Muster aufwies. Der Vicus wies eine kontinuierliche Besiedlung mindestens bis zur Mitte des 4. Jahrhunderts n. Chr. auf, als er vom Erdbeben von 346 n. Chr. getroffen wurde; daraufhin fand eine Wiederaufnahme der Bautätigkeit statt, belegt durch den mit Mosaik ausgestatteten Raum. In spätrömisch-frühmittelalterlicher Zeit erscheint der Name S. Eleuterio, der im Zusammenhang mit dem römischen Märtyrer steht, der im 8. Jahrhundert n. Chr. sehr in Rom verehrt wurde. Die mittelalterliche Siedlung scheint in Blöcke unterteilt zu sein, die sich um einen Hof mit einem Brunnen gruppieren. Diese Räume schließen die Strukturen der römischen und spätantiken Zeit ein und überlagern sie, wobei sie deren Orientierung ändern (um 45° drehen). Durch die Untersuchung der mittelalterlichen Keramik (glasierte, emaillierte und ritzdekorierte Ware) lässt sich eine Besiedlung vom 13. bis 14. Jahrhundert annehmen, als der Ort erneut durch ein Erdbeben erschüttert wurde.
Informationen zum archäologischen Gelände des antiken Aequum Tuticum
località Sant’Eleuterio
83031 Ariano Irpino (Avellino)
0825.824839
sar-cam.avellino@beniculturali.it
https://www.archeosa.beniculturali.it
Quelle: MIBACT

