Eine offene Treppe am Anfang des rechten Kirchenschiffs führt zum archäologischen Rundgang unter dem heutigen Fußbodenniveau. Ausgrabungen, die um und kurz nach der Mitte des 20. Jahrhunderts durchgeführt wurden, haben verschiedene Spuren und archäologische Materialien zutage gefördert, die zwischen der römischen Zeit und dem Mittelalter datieren. Es handelt sich um Elemente, die chronologisch dem ursprünglichen christlichen Kultgebäude vorausgehen, das unterhalb des heutigen Apsidenbereichs freigelegt wurde und möglicherweise als Krypta der Kirche diente, die in romanischer Zeit (Ende 11. bis Anfang 12. Jahrhundert) errichtet wurde. Der Brunnen mit Drainage, der unter dem mittleren Kirchenschiff gefunden wurde und von einigen als kleiner Ofen oder Ofenanlage, von anderen als “Zelle für thermale Heilbehandlungen” interpretiert wurde, wurde kürzlich als Glockengießgrube identifiziert. Vor Ort werden verschiedene archäologische Funde aufbewahrt: Ziegel mit Griffen, mit Stempeln versehene Ziegel, Ziegel mit Tierabdrücken, Kapitellfragmente, beschriebene Grabstehlen, eine Bronzescheibe, möglicherweise ein Votivobjekt, sechseckige Bodenplatten, Fragmente von Glas-Balsamgefäßen und einige große Terrakottakrukken mit fortlaufender graffitierter Nummerierung am Rand. Unter den aus dem Abrissmaterial in die architektonischen Strukturen und Mauerwerke eingearbeiteten Materialien sind Fragmente von Inschriften, sieben zum Teil bearbeitete Kapitelle (aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. bis zum 5.-6. Jahrhundert n. Chr.), einige Säulenbasen, eine Säule aus rotem Marmor aus Verona und acht aus orientalischem Granit hervorzuheben: von besonderer Bedeutung ist ein Wiedereinsatz eines Meilensteins, der die Kaiser Valens, Gratian und Valentinian II. ehrt und allgemein der Route der Via Faventina zugeschrieben wird. Weitere meist römische Funde sind an verschiedenen Stellen des Kirchenkomplexes in die Wände eingemauert oder eingepasst. Erwähnenswert sind unter anderem die auf Ziegel eingravierte Spieltafel, eine Marmorbalkenabsperrung aus griechischem Marmor, eine Olivenpresse und verschiedene Fragmente von Grabinschriften.
Informationen zum Museum der Pieve del Tho’
Via Pieve del Tho’, 1 (im Gebäude der Kirche S. Giovanni in Ottavo),
48013 Brisighella (Ravenna)
0546 800 35, 0546 811 66 (Pro Loco)
Quelle: MIBACT

