Das Gebiet des antiken Taureana lässt sich geografisch im heutigen Gemeindegebiet von Palmi verorten, morphologisch erkennbar an einer Reihe von bewirtschaftbaren Plateaus, die aus pleistozänen Meeresterrassen bestehen und in mehreren Ebenen bis zu den ersten schroffen Aspromontan-Ausläufern reichen. Besonders gut sichtbar von Palmi an Tagen, an denen die Winde aus Norden wehen, sind der Äolische Archipel sowie die nordöstliche Küste Siziliens, deren künstlerisch-kommerzieller Bezug zu diesem Gebiet bereits seit der Zeit der Urgeschichte durch Funde von Obsidian und denselben Keramikkategorien belegt ist. Strategisch günstig liegt dieses Gebiet nahezu am Eingang der Meerenge – den alten Griechen und der römischen Antike als Fretum Siculum bekannt und wegen der gefährlichen Überquerung mit unberechenbaren Winden und Strömungen gefürchtet – was seine Einbindung in die klassischen mediterranen Seerouten von jeher begünstigte. Noch heute warnt der Hafenführer vor Segeln in der Straße von Messina, weshalb es für die Navigatoren entscheidend ist, das Spiel der Strömungen, der Wirbel, der Taue und die Windrichtungen genau zu kennen. Historisch markierte dieses Gebiet die nördliche Grenze der tirrenischen Chora der chalcidischen Kolonie Rhegion, die im letzten Viertel des 8. Jahrhunderts v. Chr. von der Stadt Zankle, dem heutigen Messina, gegründet wurde, um die Meerenge auch auf der kalabrischen Seite zu kontrollieren. Es lag angrenzend am kolonialen Zentrum Metauros, im 7. Jahrhundert v. Chr. nahe der Mündung des gleichnamigen Flusses gegründet, der bei den Alten für den Thunfischfang bekannt war. Der Fluss, dessen Einzugsgebiet von zahlreichen Zuflüssen aus dem Aspromontan-Gebirge geprägt war, stellte eine bedeutende Wasserstraße dar, über die der Anschluss an das Binnenland gewährleistet war.
Informationen zum Archäologischen Park der Taureaner
Località Taureana
Palmi (Reggio di Calabria)
0965812255
sar-cal@beniculturali.it
Quelle: MIBACT

